Haben wir so viel Glück verdient?

Blogeintrag 12. März 2022

 Ja, das haben wir!

Seit 7. Jänner 2022 waren wir schon so etwas wie Hausmeister in der Kykao Brauerei. Schon am 8. Jänner war das erste Porträt gemacht und das letzte wurde am 10. März gefertigt. Damit gab es in diesen 2 Monaten 27 Porträts (19 Griechen, 4 Franzosen und 4 Deutsche). Natürlich müsste ich jetzt gendern, also es waren natürlich Frauen und Männer. Und jede Woche hieß es: „eine Woche bleiben wir noch!“

mit Bene und Ella hatten wir nicht nur viel Spaß sondern auch interessante Gespräche

Als wir uns dann verabschiedeten, fragte Kostas, ob irgend etwas vorgefallen wäre, sodass wir weg fahren. So sehr waren alle schon unseren Anblick und unsere dauernde Anwesenheit gewohnt, dass wir irgendwie dazu gehörten. Da wir am 2. Abend auch den Schlüssel bekommen hatten und das Vertrauen der Brauereibesitzer hatten, war unser Abgang dann doch etwas ungewohnt. Traurig waren wir alle. Aber wir versprachen auf dem Retourweg unbedingt wieder zu kommen. 

Und es gab immer wieder neue Freundschaften zu pflegen, bei der Bierproduktion ein bisschen mitzuhelfen und gemeinsam dem strengen und eisigen Winter Paroli zu bieten. Seit 25 Jahren gab es keinen so strengen Winter in Patras wurde uns mehrfach versichert. Warum mussten wir gerade diesen erwischen? Keine Ahnung. 

Was uns aber wirklich zu Herzen ging war der tragische Lawinentod der 3 engen Freunde der Barbesitzer. Vangelis und seine Lebensgefährtin Natasa verfolgten die Nachrichten während der Suche und Bergung der Freunde. Es war schrecklich traurig, hatten wir doch einen der drei noch kurz kennen gelernt. So rasch kann das Leben zu Ende sein. Es waren alle drei Freunde erfahrene Bergsteiger. Sie wurden auf dem Weg zum Eisklettern von einer Lawine in den Abgrund in felsiges Gestein gestürzt. 

Nach den Begräbnisfeierlichkeiten lud Kostas alle Trauergäste in die Brauerei zu Essen und Bier ein. 

Heute ist noch einmal (ohne unser Beisein) eine weitere Feier in der Brauerei zum Abschluss der 40 tägigen Trauerzeit. Dabei werden Filme und Fotos präsentiert, die die gemeinsame Zeit der Freunde prägte. Sie waren allesamt sehr intensiv am Aufbau der Brauerei beteiligt und haben viele Stunden ihrer Freizeit unentgeltlich geholfen. Kostas ist ihnen zu ewigem Dank verpflichtet. Es war ihm sehr wichtig, dieses Fest zu feiern und seinen Dank damit zum Ausdruck zu bringen. 

Auch ansonsten durften wir im Jahreskreis der Griechen an so manchem Fest Teil nehmen. Es war ja Fasching und am Donnerstag, dem Rauchdonnerstag gibt es überall gegrilltes Fleisch. So auch in der Brauerei. Und es ist alles immer gratis. Zu mindest das Essen. Die Kinder verkleiden sich und zum Glück war es warm genug um im Freien zu feiern.

Dimitri bot uns an, uns nach Patras mit zu nehmen, damit wir auch einmal in der großen Stadt sehen, was los ist. Ein „alternatives“ Kaffeehaus mit gutem Blick auf die Stadt wurde uns gezeigt. Daneben gab es eine Künstlerinitiative, die gerade an den Verkleidungen für den Fasching an großen Vögeln arbeitete. Leider wurde aus dem Termin mit einem der Künstler für ein Porträt nichts.

Laura, eine österreichische Künstlerin, die wir auch in der Brauerei kennen gelernt hatten, brachte uns wieder nach Hause. 

Eine Woche später wurde ein weiteres Familienfest am „Putzmontag“ gefeiert. Drachen steigen, Kinder und Essen und Tanzen und Spielen. Die Griechen wissen, wie man feiert!

So viele Reisende aus vielen Ländern lernten wir kennen. Manche blieben nur kurz, andere, die schon länger auf Reise waren, verweilten doch einige Zeit mit uns: Frankreich, Schweiz, Deutschland, Polen, Niederlande, Tschechien waren dabei vertreten. Am Meisten natürlich wir immer war Deutschland vertreten. Gefühlt zu mindest. Na ja, Maxi und Stefan und Bene und Ella waren ja auch am längsten mit uns zusammen. 

Gestern, nachdem wir uns endlich schweren Herzens losgerissen hatten, wollten wir noch einmal so richtig Essen bunkern. Als wir zum Auto kamen,

Entsetzen und Sprachlosigkeit. Es wurde ins Auto eingebrochen. Vorerst sah es so aus, als wäre der Laptop und sämtliche Wechselfestplatten mit allen Speicherungen weg.

Gott sei Dank – Laptop blieb bei den Pedalen liegen

Dann fand Wilfried alles unversehrt am Fahrersitz. Da wo der Einbrecher eingestiegen war muss er wohl fluchtartig wieder ausgestiegen sein als wir kamen. Welch eine Erleichterung. Wie konnten wir nur so unvorsichtig werden? Immer geht nur einer von uns einkaufen. Die Tatsache, dass wir bei der Brauerei so sicher standen, nicht einmal in der Nacht die Türen verschließen mussten, hat uns wohl ein bisschen zu sicher gemacht. 

Also in Zukunft heißt es wieder: nur einer verlässt das Auto zum Einkaufen. 

Und wenn wir beide das Auto verlassen, wird der ganze Kram an Wertgegenständen mit geschleppt. Punkt. So muss es sein. Die ganze Arbeit von Monaten wäre umsonst gewesen. Unsere Erleichterung, als Wilfried die Laptoptasche mit dem unversehrten Inhalt fand war riesengroß. 

Große Sorgen macht uns das Kriegsgeschehen in der Ukraine. Es ist die gefährlichste Situation in meinem Leben seit Tschernobyl und Corona, in der wir uns momentan befinden. Was hat das für unser Leben, für unser Projekt und für die ganze Welt zu bedeuten?

Beten wir gemeinsam für den Frieden!

So nahe an einem 3. Weltkrieg habe ich mich noch nie gefühlt und ich nehme an es geht vielen Menschen so. 

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