[:de]Wo verstecken sich die Portugiesen?[:en]Where are the Portuguese hiding?[:]

[:de]Blogeintrag 1.3.2020

Franzosen, Engländer, Italiener, Belgier, Holländer… keiner ist so scheu wie die Portugiesen. 

Wo sind sie nur? Wir lernen lauter Menschen kennen, die nicht hier geboren sind und sich für unser Projekt interessieren. Welche Unsicherheit lässt sie so zögern? In keinem anderen Land war es bisher so schwierig, an Einheimische zu kommen. Wir dachten, wir machen etwas falsch. Aber dann erhielten wir sowohl von Klaus, als auch von Gianluca und Emanuela dieselbe Antwort auf unsere Frage: wie kommt man mit den Einheimischen in Kontakt? Sehr schwierig. 

Aber zurück in der Chronologie:

Jules Porträtsitzung war sehr berührend und ehrlich. Ihre erst 25 jährige Familiengeschichte hat sie sich sehr tiefgründig angeschaut und reflektiert. Sie ist dabei schon sehr reif geworden und hat ihr Leben zielsicher in die Hand genommen.

Face Europe nr.117-Jule
Face Europe nr.117-Jule

Auch wenn sie noch nicht weiß, wie sie sich verwirklichen kann, so ist ihr doch eines ganz klar: niemals will sie sich für andere Menschen verbiegen, anderer Menschen Erwartungen erfüllen, bevor sie sich genug um ihre eigenen Bedürfnisse gekümmert hat. Möge sie diese Sichtweise tapfer ihr ganzes Leben nie mehr aus den Augen verlieren. Sie ist ein ganz lieber und aufmerksamer Mensch, der es sich nicht leicht macht, aber doch nach der notwendigen Leichtigkeit im Leben sehr anspruchsvoll sucht. Alles Gute auf deinem weiteren Erfolgskurs im Leben. Wir haben viel von dir lernen dürfen. Danke, liebe Jule!

Jean Pierre

Unser französischer Nachbar, Jean Pierre, der -gar nicht scheu – gleich nach seiner Ankunft neben uns Kontakt mit uns und zeitgleich mit Jule aufnahm,  kam nur einen Gedanken zu spät dazu, sich für ein Porträt anzumelden. So hatte Jule den Vorrang. Da er nicht einen Tag warten wollte, vereinbarten wir uns später vielleicht in der Nähe von Portimão zu treffen. Da er aus Prinzip kein Telefon hat, kann nur er uns erreichen. Es gilt abzuwarten, ob wir ihn jemals wieder sehen werden. 

Am Dienstag, genau eine Woche nach dem letzten Sturm, erhob sich neuerlich ein Sturm, der den Kitesurfern gefiel. Wir konnten sie vom Auto aus dahinziehen sehen. Draußen war es gar nicht fein. Nur eingemummt und für allernotwendigste Pflichten wie Müll raus bringen, wagten wir uns vor die Tür. Die für diesen Tag geplante Pizzaparty bei Gianluca und Emanuela wurde auf Mittwoch verschoben. Wir hatten Nicholas dazu eingeladen und mussten auch ihm kundtun, dass er erst am nächsten Tag zu einer Pizza kommen kann.  Sein Freund Allen, der ursprünglich von Aljezur aus mitkommen wollte, und bei dem Nicholas gerade zu Besuch war, konnte dann leider doch nicht mitkommen, was uns sehr leid tat. Aber immerhin konnte Nicholas kommen. 6 weitere Camper aus Belgien und Deutschland schlossen sich uns an. Es war dieselbe Gruppe, die wir bei unserer letzten Tour in Portugal an dem kleinen Stausee kennengelernt hatten. Nun ist die Zahl komplett: Bernd und Marion hatten wir ja schon am Strand von Amado wieder getroffen. Ja, die Energie, hier in Carrapateira Menschen zu treffen, die einem guttun, ist sehr positiv. 

Wir wanderten also zu neunt vom Strand zur Pizzaparty und genossen den Abend und auch noch das Frühstück mit Nicholas. Er holte sich von uns noch einige Tips für seine Reise nach Österreich, wo er uns Anfang Mai wieder sehen will. Er möchte an den „Garten der Generationen“ andocken, um etwas Sinnvolles zu tun. Hoffentlich gefällt es ihm und es wird eine für beide Teile fruchtbare Zeit. Der Garten der Generationen ist ein generationenübergreifendes soziales ökonomisches landwirtschaftliches Wohnprojekt in der Entstehungsphase. Nicholas findet dort sicher ein Betätigungsfeld und einen Platz für den Sommer. 

Wir freuen uns auch, ihn so nahe zu haben, nur 10 km von Nußdorf entfernt. Hoffentlich wird er so freundlich aufgenommen wie wir damals vor 10 Jahren, als das Projekt noch in den Kinderschuhen war und für uns zu langsam vom Planen ins Tun kam. 

Auch wir brachen zu Mittag auf und bewegten uns einen Kilometer weiter zu Klaus – einem Österreicher.

Klaus im Gespräch mit Lisbeth

Er ist vor 20 Jahren ausgewandert und hat sich hier ein großes Stück Land gekauft. Ein biologischer Bauernhof mit Hühnern, Tauben, einem Schwan, Katzen und einem Hund, so wie 8 Milchkühe (sie stehen auf der Weide außerhalb in einem Tal) sind seine Tiere.

Face Europe No.118-Klaus-after 40 min
Face Europe No.118-Klaus-after 70 min

Er bewirtschaftet das ziemlich große Land mit Hilfe von Workaway and Woofern. Er hat eine faszinierende Kindheit mit absolut unkonventionellen Eltern erlebt. Eine ein Jahr dauernde Reise mit Planwägen durch Indien mit einer Gruppe von 20 Leuten und der Besuch der Waldorfschule mit einem anschließenden Technikstudium haben ihn für sein jetziges Projekt nachhaltig geprägt. Die Atmosphäre war absolut entspannt aber in keiner Weise träge, wie man sie oft in einer Hippy Kommune antrifft. Alles geordnet, kreativ und mit einem hohen Potential an Entfaltungsmöglichkeiten bei den Helfern. Wir durften beim Mittagessen teilnehmen und fühlten uns mit der Familie von Carolina aus Mailand gleich recht wohl als Tischnachbarn. Sie  sind gerade auf Besuch bei ihren Sohn, der 5 Monate schon am Hof vom Klaus lebt und einen recht zufriedenen und entspannten Eindruck vermittelte. Carolina ist Professorin am Politechnikum in Mailand am Institut für urbane Architektur und hat uns nach Mailand eingeladen. 

Das ist ein ganz besonderer Anker, noch dazu, da ihre Tochter Kulturmanagement studiert und uns vielleicht bei der Verwirklichung unserer Ausstellung am Ende unseres Projektes behilflich sein kann und dies wiederum ein wichtiger Baustein in ihrer beruflichen Karriere sein kann. 

Face Europe No.118-Klaus-after 120 min

Wir durften die Nacht auf dem Hof von Klaus stehen. Seine Bitterorangen wurden noch am Abend von mir zu Marmelade verarbeitet und zum Kosten an Klaus weitergegeben. Mit Gemüse aus dem Garten, köstlichen frisch gebackenem Roggenbrot im Brotbackofen wurden wir ebenso beschenkt wie mit einer Ladung Trinkwasser für unseren Tank. 

Klaus vermittelte uns noch an Jaap, einen Holländer und Diogo (einen Portugiesen) und machte ihnen das Projekt verschmitzt schmackhaft, indem er ihnen in Aussicht stellte, dass sie berühmt würden und ins Museum kämen. Beide Männer sind im Restaurant „Cato“ (der Kaktus) zu finden. Auf halbem Weg zwischen Strand und der Farm von Klaus befindet sich dieses Restaurant, das auch ein Gästehaus ist und seit Neuestem einen in Lehmbauweise errichteten Musikerdom besteht. Schlagzeug, Trommeln, Gitarren zeugten von einem vergangenen „Gig“ am Abend vorher. Wir durften den Raum für Face Europe nr. 119 für Jaap am Tag darauf nutzen. 

Face Eorope nr. 119-work in progress-Jaap-nach 60 min

Jaap ist ein ziemlich weitgereister Europäer mit 3 Geschwistern, die alle im Abstand von 2 Jahren in verschiedenen europäischen Ländern zur Welt gekommen sind: Holland, Frankreich, Deutschland und Italien. Seine 2. Heimat ist Italien obwohl er im Alter von 11 Jahren in ein Internat in Holland gesteckt wurde. 

Face Eorope nr. 119-work in progress-Jaap-nach 100 min

Seine eigenen 4 Kinder sind auch über Europa verstreut und auf sein erstes Enkelkind, das im Sommer auf die Welt kommt, freut er sich schon sehr. 

Face Eorope nr. 119-work in progress-Jaap-nach 120 min fertig

Jetzt ist er mit einem 47 Jahre alten deutschen „Notarztlazarettgerätewagen“ unterwegs oder vielmehr vorübergehend sesshaft geparkt beim “Cato“. 

Als wir uns gegenseitig die Autos präsentierten, fiel uns plötzlich auf, dass wir unseren Grauwassertank verloren hatten. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie das passieren konnte. Wir hatten absolut nichts davon bemerkt. Dabei muss es doch einen fürchterlichen Krach gemacht haben. Ein volles 200 Liter Fass verliert man doch nicht lautlos. Gleich neben der Ausfahrt vom Parkplatz lag es dann: unser geniales Abwasserfass. Alles, außer dem Verschlussring war da.

Blaue Tonne verloren

Wir sammelten alles ein und bis ein neues Metallband gefunden ist, durch das man das kaputte ersetzen kann und eine provisorische Lösung gefunden ist, stellen wir einen Kübel unter den Abfluss und schütten das Grauwasser in die nächste Wiese. Dies können wir ohne schlechtes Gewissen tun, denn außer Zahnpasta und Shampoo ein mal die Woche kommt bei uns keine Chemie ins Wasser. 

Eine weitere Holländerin meldete sich gleich an Ort und Stelle für morgen – Montag – für ein Face Europe Porträt an. 

Der Strand von Bordeira ist schon ein ganz spezieller Ort. Am Freitag Nachmittag parkte neben uns ein portugiesischer Wagen mit einer deutsch-holländischen Familie, die in Belgien lebt und arbeitet. Sie sind auf einer Kurzreise in ihrem Mietwagen unterwegs. 

Diana, die Mutter ist Deutsche. Der Vater, Joost, Holländer. Die beiden Töchter, Emma und Paula sind mit 4 Sprachen aufgewachsen und wir wurden auf Herzlichste eingeladen, mit Face Europe Station zu machen, wenn wir in Belgien sind. 

In kurzer Zeit haben wir nun Kontakte in 2 Ländern, die keine weiße Landkarte mehr sein werden. [:en]Blog entry 1.3.2020

French, English, Italian, Belgian, Dutch… …none as shy as the Portuguese. 

Where are they? We get to know a lot of people who were not born here and who are interested in our project. What uncertainty is making them hesitate? In no other country has it been so difficult to get hold of locals. We thought we were doing something wrong. But then we received the same answer to our question from Klaus as well as from Gianluca and Emanuela: how do you get in contact with the locals? Very difficult. 

But back in chronology:

Jule‘s portrait session was very touching and honest. She looked at her family history, which is only 25 years old, very deeply and reflected on it. She has already matured and taken her life into her own hands. Even if she does not know yet how to realize herself, one thing is very clear to her: she never wants to bend herself for other people, to fulfill other people’s expectations, before she has taken care of her own needs. May she bravely never lose sight of this point of view for the rest of her life. She is a very kind and attentive person, who does not make it easy for herself, but who is still looking for the necessary lightness in life in a very demanding way. All the best on your further

Face Europe No.117-Jule
Face Europe No.117-Jule

successful course in life. We have been able to learn a lot from you. Thank you, dear Jule!

Our French neighbour, Jean Pierre, who – not shy at all – contacted us right after his arrival next to us and at the same time as Jule, came only a thought too late to register for a portrait. So Jule had priority.

Jean Pierre

Since he didn’t want to wait one more day, we agreed to meet later, perhaps near Portimão. As he has no telephone as a matter of principle, only he can reach us. We have to wait and see if we will ever see him again. 

On Tuesday, exactly one week after the last storm, another storm arose. The kitesurfers liked that. We could see them moving along out of the car. Outside it was not fine at all. Only wrapped up and for the most necessary duties like taking out garbage we dared to go outside. The pizza party planned for that day at Gianluca and Emanuela was postponed to Wednesday. We had invited Nicholas and had to tell him that he could not come for a pizza until the next day.  His friend Allen, who originally wanted to come with us from Aljezur and whom Nicholas had just visited, unfortunately couldn’t come after all, which we felt very sorry for. But at least Nicholas could come. 6 more campers from Belgium and Germany joined us. It was the same group that we had met on our last tour in Portugal at the small reservoir. Now the number is complete: We had already met Bernd and Marion again at the beach of Amado. Yes, the energy to meet nice people here in Carrapateira is very positive. 

So nine of us walked from the beach to the pizza party and enjoyed the evening and we also enjoyed the breakfast with Nicholas the next morning. He got some more tips from us for his trip to Austria, where he wants to see us again in early May. He wants to dock at the „Garden of Generations“ to do something useful. Hopefully he likes it and it will be a fruitful time for both parties. The Garden of Generations is a cross-generation, social-economic agricultural housing project in the making. Nicholas will certainly find a field of activity and a place to spend the summer there. 

We are also pleased to have him so close, only 10 km from Nußdorf. Hopefully he will be welcomed as friendly as we were 10 years ago, when the project was still in its infancy and too slow for us to move from planning into action. 

We also started the same day at noon and moved one kilometer further to Klaus – an Austrian.

Klaus in conversation with Lisbeth

He emigrated 20 years ago and bought a big piece of land here. An organic farm with chickens, pigeons, a swan, cats and a dog, as well as 8 milk cows (they are standing on the pasture outside in a valley) are his animals.

He cultivates the quite big land with the help of Workaway and Woofers. He has had a fascinating childhood with absolutely unconventional parents. A one year long journey with planned wagons through India with a group of 20 people and the attendance of the Waldorf School with a subsequent study of technology have left an important impression on him for his current project. The atmosphere was absolutely relaxed but in no way sluggish as one often finds in a hippy community. Everything was orderly, creative and with a high potential for development among the helpers. We were allowed to take part in the lunch and felt quite comfortable with our neighbours: the family of Carolina from Milan. They are currently visiting their son, who has already been living for 5 months at the farm of Klaus and gave a quite satisfied and relaxed impression. Carolina is professor at the Politechnikum in Milan at the Institute of Urban Architecture and invited us to Milan. 

This is a very special anchor, especially since her daughter is studying cultural management and may be able to help us realize our exhibition at the end of our project, which in turn may be an important experience for her professional career. 

We were allowed to spend the night on Klaus‘ farm. His bitter oranges were processed by me into jam in the evening and passed on to Klaus for tasting in the morning. We were given vegetables from the garden, delicious freshly baked rye bread from the bread oven as well as a load of drinking water for our tank.

Face Europe No. 118-Klaus-after 40 min
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Face Europe No. 118-Klaus-after 120 min

Klaus also put us in touch with Jaap, a Dutchman and Diogo (a Portuguese) and made the project mischievously palatable to them by promising them that they would become famous and come into the museum. Both men can be found in the restaurant „Cato“ (the cactus). Halfway between the beach and Klaus‘ farm is this restaurant, which is also a guesthouse and has recently built a musician’s cathedral in clay. Drums and guitars testified a past „gig“ the night before. We were allowed to use the room for Face Europe 119 for Jaap the day after. 

Face Eorope No. 119-work in progress-Jaap-after 60 min

Jaap is a rather well-travelled European with 3 siblings, who were all born in different European countries at intervals of 2 years including him: Holland, France, Germany and Italy. His 2nd home is Italy although he was sent to a boarding school in Holland at the age of 11. 

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His own 4 children are also scattered all over Europe and he is looking forward to his first grandchild who will be born in summer. 

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Now he is on the road with a 47 year old German „emergency ambulance“ or rather temporarily parked at the „Cato“. 

When we presented the cars to each other, we suddenly noticed that we had lost our grey water tank. We could not imagine how this could happen. We had noticed absolutely nothing of it. But it must have made a terrible noise. You don’t lose a full 200-litre barrel silently. Right next to the exit of the parking lot we found it: our ingenious waste water barrel. Everything but the locking ring was there. 

We collected everything and until we find a new metal band to replace the broken one and a temporary solution will be found, we put a bucket under the drain and pour the grey water into the next meadow. We can do this without a guilty conscience, because apart from toothpaste and shampoo once a week no chemicals are put into the water. 

Another Dutch woman – Louz – signed up right there and then for a Face Europe portrait tomorrow – Monday. 

The beach of Bordeira is already a very special place. On Friday afternoon a Portuguese car parked next to us with a German-Dutch family living and working in Belgium. They are on a short trip in their rental car. 

Diana, the mother is German. The father, Joost, is Dutch. The two daughters, Emma and Paula, grew up with 4 languages and we were cordially invited to make a stopover with Face Europe when we are in Belgium. 

In a short time we now have got another contacts in 2 countries that will no longer be a white map. [:]

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