Zwischenstop

Blogeintrag 25. Oktober 2018

Seit 22. Oktober sind wir wieder daheim. 

Die Fahrt durch Frankreich (wo Pompes funebres kein Schimpfwort ist), Deutschland und Österreich war für unseren Big Fredi eine gemütliche. 

Nie mehr als 80 km/h. Gleich nach der Fähre in Dünkirchen gab es einen Stellplatz, der wirklich nur zum Schlafen gedient hat. Und das konnte man auch. Ruhig, keine Musik und nur Wilfried hat den Autolärm gehört. Lisbeth ist entweder durch Filter oder durch Schwerhörigkeit gesegnet. Wie eine Schlafpuppe, die, sobald man sie niederlegt, ihre Augen schließt und schon schläft sie.  

Am nächsten Morgen half uns ein Anruf bei ÖAMTC den nächstgelegenen Iveco Vertragshändler zu finden. Der wurde auch in 15 km Nähe Calais gefunden. Das Geräusch, das Wilfried so deutlich beim Fahren hören konnte, war auch von dem etwas älteren Automechaniker nicht zu vernehmen. Wahrscheinlich ist auch er mit einem schlechten Gehör gesegnet. Aber wenigstens wurde festgestellt, dass das Lager am rechten Vorderrad in Ordnung ist. Wir sollten halt nicht zu schnell fahren, und wenn das Rad heiß wird, sofort reagieren. Da wir der französischen Sprache nicht mächtig sind, und die Franzosen kein Englisch oder Deutsch konnten, half ein Zettel und Bleistift um zu verdeutlichen, dass es nach Hause noch 1.500 km zu fahren sind. Ein französisches Achselzucken, was so viel heißt wie:es wird schon nix passieren, fahren sie halt langsam entließ uns dann halb beruhigt aus der Werkstatt und Schlag 12 Uhr wurde der Werkstattrollbalken für die Mittagspause heruntergelassen und wir machten uns auf den Heimweg. 

Die französischen Bundesstraßen führten uns teils durch ländliche Gegenden mit ausgestorbenen Dörfern zwischendurch und kleinen Städten, die vom Baustil noch sehr an England erinnerten. Die Backsteinhäuser beige oder rot waren hie und da noch von Fachwerkhäusern unterbrochen. Kein solch einheitlicher Baustil wie in UK. 

An einem Parkplatz, den wir ganz für uns alleine hatten gab es einen wunderbaren Sonnenuntergang. Den Sonnenaufgang bremste ein dichter Wald. Ansonsten fühlten wir uns auf einmal so frei und uneingeschränkt in unserem Blickfeld. Endlich KEINE HECKEN mehr. Man kann überall die Landschaft einsehen. Es ist ein Wunder, dass die Engländer so freundlich und liebenswürdig sind, eingekastelt wie sie sind. Und dass sie ihr Land so lieben. Sie sehen es ja gar nie! Es ist immer alles hinter einer Hecke versteckt. Einfahrten auf die Felder (hinter den Hecken) geben ja immer nur kurz Blick in das Dahinter frei. 

Da in Deutschland Diesel viel billiger als in Frankreich ist, versuchten wir so rasch wie möglich unsere Reise in Deutschland weiter zu führen. Saarbrücken als das erste Ziel war uns vom Hinfahren schon bekannt, aber diesmal gab es ein starkes  Verkehrsaufkommen und Baustellen, die große Aufmerksamkeit forderten. Wir hatten in Frankreich bereits unsere 30 Liter Reservekanister in den durstigen Fredi geschüttet und kamen somit bis Deutschland, wo in der Nähe der französischen Grenze der Preis für Diesel nicht gerade günstig war. 

Schön langsam tuckerten wir weiter über Deutschland, immer auf den Bundesstraßen, die aber wenigstens in einem guten Zustand waren und oft auch durch Schnellstraßen unterbrochen wurden. Nach Maulbronn wurden wir von unserer App für einen Gratisstellplatz gelotst. Am nächsten Morgen zog uns das Kloster Maulbronn magisch an. Wir mußten einfach eine Führung mitmachen. Bewaffnet mit je einem Audioguide durchforschten wir das alte Gemäuer. Dort würden wir gerne mit Face Europe im Innenhof gastieren. Es gibt viel Platz und sogar der „blade“ Fredi hätte dort Platz. Wenn wir wieder in Deutschland sind, werden wir Kontakt mit dem Management aufnehmen. 

Erst zu Mittag ging es wieder weiter. In Neuburg an der Donau war dann unser nächstes Nachtlager aufgeschlagen, als wir durch unsere entzückenden Nachbarn erfuhren, dass den ganzen Abend und die halbe Nacht ein Straßenfest angesagt ist: „30 Jahre unsere deutsche Donau“. Es war ein lauer Abend und ungemein viel los. Theater, Stelzengeher, kanufahrende Handballer, die sehr geschickt paddelten und gleichzeitig Ball spielten. Das Schloss war frei zugänglich und auch dort waren überall Aktionen von Künstlern auf hohem Niveau. Gleich 2 x am Tag so viel Kunst und Kultur zu erleben, hat uns recht begeistert. Schade war nur, dass die Theater und Musikgruppen weit weg vom Schloss aufgestellt waren und nur sehr wenige Besucher hatten. 

Direkt am Ufer der Donau auf einem riesigen Stellplatz verbrachten wir wieder eine ungestörte Nacht. Die nächste Übernachtung sollte schon in Österreich bei unseren Freunden sein. Wilfried hielt Lisbeth davor zurück unsere Ankunft bei unseren Freunden in Innerschwand am Mondsee anzukündigen. Er war sich nicht sicher, wann wir dort sein könnten. Und das war gut so. Die Bundesstraße 20 war in Richtung österreichische Grenze durch Umleitungen zum Katastrophengebiet erklärt worden. Es gab 50 km schlecht ausgeschilderte Umleitungen, dann unser stures Navi, das uns immer wieder auf die 20er Bundesstraße zurückführen wollte. Die Straßenkarte konnte man auch nicht zu Rate ziehen, der Maßstab zeigte nur die größeren Orte an. Und wir kreisten. Als der Hunger und die Verzweiflung groß genug waren, gaben wir uns vorerst dem Kochen und dann dem Essen hin. Beim Abstellen des Autos fragten wir einen Einheimischen, ob wir wohl noch immer auf dem richtigen Umleitungspfad wären und er schickte uns 20 km wieder retour. Als wir aber schon am Wegfahren waren, kam der Mann noch einmal extra angefahren und erklärte uns, es hätte ihm keine Ruhe gelassen, er wollte uns den richtigen Weg wissen lassen. Das war außerordentlich freundlich von ihm. Dankbar, mit ein paar Kilometern auf der Autobahn der Umleitung nun endlich doch zu entkommen, und gut gesättigt, setzten wir unsere Reise nun endlich ohne weitere Zwischenfälle fort. David war über unser baldiges Auftauchen sehr überrascht, hätte gerne früher gewusst, dass wir kommen. Unsere stundenlange Umleitungserfahrung hat er erst nach unserer Ankunft erfahren. Man weiß halt nie wie Big Fredi drauf ist und wann man ein Ziel wirklich erreicht. 

Die Nacht auf der Wiese von David und Sonja war die erste frostige Nacht und gerade da fiel die Heizung in der Früh um 4 Uhr dann aus. Wilfried hätte die Gasflasche umstecken müssen, wenn wir weiter heizen wollten. Irgendwie hielten wir aber auch ohne Heizung durch und die Sonne und die Gastfreundschaft wärmte uns rasch wieder auf. 

Mit Geschenken bepackt, einem von Sonja frisch gebackenem köstlichen Brot, Marmeladen und Kompott traten wir die letzte Tagesetappe an und erreichten mit einer Mittagspause um 16 Uhr den Heimathafen. 

Letzte Stunden in England

Blogeintrag 17. Oktober 2018

Insgesamt sind wir bei RDAvery 10 Tage gestanden und konnten uns schließlich doch noch losreißen. Wir warteten vergeblich auf weitere Personen zum Porträtieren. Ray war so freundlich bei seinen Freunden nachzufragen, aber keiner konnte sich entschließen.

Tony war so nett uns in die Stadt Romsey mitzunehmen, wo wir in 1,5 Stunden die Kathedrale mitsamt einer tollen Skulpturenausstellung besuchen konnten und bei ALDI noch einmal so richtig Lebensmittel Bunkern konnten. Mit seinem Renault Clio haben wir auch seine „sportliche“ Fahrweise überlebt.

Er war es auch, der uns zum mobilen Pizzamann mitgenommen hat. Da gibt es doch tatsächlich ein kleines Unternehmen, das in seinem Bus einen Holzkohlenofen eingebaut hat und die köstlichsten Pizzen backt. Sie waren sogar noch richtig heiß, als wir sie im Big Fredi nach einer 5 minütigen Autofahrt verspeisten.

Das waren nebst einem kleinen gemeinsamen Spaziergang (Wilfried und Lisbeth) die einzigen Highlights des Wochenendes.

Am Montag dann Aufbruch zur letzten Etappe in UK. Ab Mittag strahlender Sonnenschein und je näher wir ans Meer kamen, desto wärmer wurde es. Beinahe T-Shirts und Shorts Wetter. Wir hielten schon recht zeitig an der Küste in Peaceheaven auf der Spitze der Kreidefelsen zum Übernachten und genossen ein Jäger-Hähnchen dafür im Pub. Gratisstellplatz für die Nacht gesichert.

In der Früh ein kleiner Spaziergang zum Strand während uns die Paragleiter um die Ohren sausten.

Die letzte Etappe wollten wir nicht auf dem schnellsten Weg hinter uns bringen, schalteten die Autobahnen aus dem Navi weg und trödelten auf den engsten Landstraßen dahin. Nach einem enormen Loch in der Straße gab Big Fredi dann anschließend dieses verdächtige Geräusch von sich, das Wilfried wieder ganz närrisch machte.

Bei der Suche nach einem nochmaligen Übernachtungsplatz auf der Insel – es war schon dunkel geworden – näherten wir uns so rasch dem Fährhafen, dass wir auch gleich die Überfahrt im Angriff nahmen. Ohne Wartezeit und mit nur wenigen anderen Fahrzeugen war die Überfahrt sehr angenehm.

Den Fährhafen von Dünkirchen kannten wir ja schon vom Hinfahren, jetzt stresste uns die Dunkelheit und die Umstellung auf das Rechtsfahren. Außerdem wollte Wilfried kein Risiko eingehen, dass bei Big Fredi noch mehr kaputt geht und deshalb bewegten wir uns bei eingeschalteter Warnblinkanlage beinahe im Schritttempo in Richtung erstem französischem Stellplatz. Die Naviangabe wie so oft unpräzise führte uns zuerst wieder in die falsche Richtung der Straße und es brauchte wieder viel gutes Zureden und Cool

Bleiben, bis wir endlich am Stellplatz ankamen. Mit der Zeitumstellung wurde es 1:00 früh bis es endlich „Licht aus“ gab.

Wenn einer eine Panne hat, kann er was erzählen

Heute ist bereits wieder Donnerstag und unser Aufenthalt hier knapp vor Niemandsland war äußerst erfolgreich. 

Wer hätte das gedacht, als wir hier auf der Wiese abgestellt wurden. 

Gleich nach unserer Ankunft half uns Tony mit einem Verlängerungskabel aus, sodass wir für das Wochenende mit Strom versorgt waren. Wer Tony ist, erfährt ihr noch. Für den Wasseranschluss war unser Schlauch zu kurz, aber wir konnten auch mit dem noch verbliebenen Wasser unser Auslangen finden. 

Am Sonntag war es wunderschön, Lisbeth erforschte den Nationalpark „New Forest“, der gleich hinter der Wiese beginnt. Eine idyllische hügelige Heidelandschaft, auf der unzählige Pferde grasen und so tun, als wären die Spaziergänger gar nicht da. Sie grasen und durchstreifen die Landschaft, es geht eine Ruhe von Ihnen aus. Strahlend blauer Himmel lockt auch viele andere Spaziergänger und Hundebesitzer in die Natur. Die Hügel schauen alle irgendwie gleich aus, und bei dem fehlenden Orientierungssinn ist es ein Wunder, wie zielgerichtet Lisbeth den Eingang in das Areal von der Firma Avery wieder findet. 

Ein weiterer Ausflug, der gar nicht so lange ursprünglich geplant war, führt Lisbeth dann noch zum ca. 400 Meter entfernten Campingplatz Green Hill Farm. Dort angekommen fragt sie, ob es möglich wäre, ausnahmsweise die Dusche ein Mal zu benützen, da wir mit unserem Campervan eine Panne haben und bis morgen auf die Reparatur warten müssen. Diese Bitte wird geradeheraus abgelehnt. 

Arbeit an Ray’s Portrait

Am Nachmittag bekommen wir dann Besuch vom Seniorchef und ihr erratet niemals seinen Namen. Als wir ihn erfuhren und er einwilligte, sich von Wilfried zeichnen zu lassen, waren wir vor Begeisterung kaum zu halten. Sein Name Raymond Douglas Avery. Endlich, nach wochenlangem Suchen fanden wir endlich Ray! Und 2 Tage später saß er bei Kaiserwetter vor Big Fredi und erzählte uns seine Lebens- und die Firmengeschichte während Wilfried sein Porträt anfertigte. 

Nach 2 Stunden war Ray’s Portrait fertig

Die Reparatur am Montag wurde von Brian gewissenhaft ausgeführt, ein neues Lager war am Abend bereits wieder eingebaut. Der Preis sehr fair. Wir hoffen, dass jetzt eine Weile wirklich nichts Gröberes mehr in Big Fredi zu investieren ist.

Die Wartezeit während der Reparatur vertrieben wir uns mit einem Spaziergang nach Niemandsland und speisten im Pub „The Lamb“

Die Firma RDAvery, ein toller Betrieb mit großartigem Betriebsklima muss man extra hervorheben. Eine Firma, die sich auf das Abschleppen, Reparieren und Prüfen von allen Fahrzeugen, im Besonderen von LKWs spezialisiert hat. Eine Werkstatt der Spitzenklasse. Alle Mitarbeiter sind außerordentlich freundlich, aber auch entspannt. Ray, der Seniorchef hat die Agenden schon seiner Tochter und seinem Neffen übertragen. Die wahre Chefin ist noch Sue, seine Frau, aber auch sie wird sich demnächst immer mehr aus dem Geschäft zurückziehen.

Ray ist eine wahrlich gute Seele. Er überlässt Freunden gerne die Wiese zum Campieren. Tony kam vor ein paar Jahren mit seinem riesigen Bus zur Reparatur und erkor den Platz als sein neues zu Hause. Er lebt in seinem Bus, ist da und dort behilflich und bewacht auch gleich den Platz. Die Mitarbeiter nennen ihn den freundlichen Hippie.

Tony war wirklich eine Herausforderung

Auch ihn durfte Wilfried gestern noch zeichnen. Es war ein außergewöhnlicher sommerlicher Tag, bei Tonys stark gestikulierender Sprache kam Wilfried doppelt zum Schwitzen. Aber er liebt ja die Herausforderung und so wurde als Draufgabe am Abend auch noch Bill, der Untermieter der Familie Avery gezeichnet.

In Anbetracht seiner wilden Gestik und der ständig ändern Mimik bin ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis

Bill war von seinem lebendigen Porträt total begeistert. Er, der sehr ortsgebunden ist, und auch seine Urlaube lieber zu Hause verbringen möchte, wünscht sich zur Vernissage von Face Europe zu kommen, und sein Bild gemeinsam mit den anderen Menschen der EU ausgestellt zu sehen.

The result was a real living portrait

Das Ergebnis war ein wirklich lebendiges Portrait von Bill

Morgen soll es dann doch weiter gehen. Auch wenn wir uns hier äußerst wohl fühlen und die Gastfreundschaft schon auf das nächste Monat ausgedehnt wurde, möchten wir nicht warten, bis wir unseren Gastgebern zur Last fallen.

Wir kommen aber dafür gerne wieder hierher, aber hoffentlich ohne Panne!

Ups was ist mit big Fredi los

Big Fredi hat seinen heißen Fuß in Winchester rasch abgekühlt

und der Parkplatz inmitten der Stadt für Wohnmobile extra reserviert war genau das Richtige für eine gute Nachtruhe. Lisbeth wollte sich die Stadt ein wenig ansehen, schließlich war Winchester vor London noch Hauptstadt gewesen. Es liegt sehr schön eingebettet in Wälder und fruchtbare Felder. 

schöner Park in Winchester

Mitten in der Stadt ein Park am Itchen River, sehr naturbelassen und wunderbar für Läufer und Spaziergänger. 

Dem Problem des heißen Reifens wollten wir uns am nächsten Morgen gleich annehmen und fragten bei der Tankstelle um die nächstgelegene Werkstatt. Die Auskunft war zu vage: dritte Straße links. Da war nix. Also wieder Mister Google befragen und dann begann eine Irrfahrt von Werkstadt zu Werkstatt. Jeder schickte uns zu jemand Anderem. Schließlich stellte ein Mechaniker fest, dass der inner Zwillingsreifen einen „Patschen“ hat. Er verwies uns zu einer Werkstätte, die uns helfen sollte. Allerdings, dort angekommen, es war Freitag Mittag und die Arbeitsmotivation auf dem wöchentlichen Tiefpunkt angelangt, wurden wir zum Reifenhändler schräg gegenüber verwiesen. 

Als wir dort um einen neuen Reifen bzw. dessen Montage baten, mussten wir erfahren, dass Big Fredi zu groß ist und der Wagenheber nur 2,5 Tonnen heben kann. Wilfrieds Hilfe bei der Mintage wurde ausgeschlagen wegen „Sicherheitsrisikos“. 

Man muss sich das vorstellen: man steht vor dem Reifenhändler und der sagt einem einfach, dass er keinen Reifen montieren kann. Dabei ist das sein laufendes Geschäft. 

Wir wussten nicht weiter und uns blieb nur mehr der ÖAMTC als Ausweg. Bereits eine Stunde später wechselte AA, der englische Pannendienst VOR der Reifenwerkstatt uns den Reifen. 

Der innere rechte Zwillingsreifen war komplett kaputt. Das hatte am vorderen gerieben und Hitze und Gestank erzeugt. Wir waren zufrieden, dass der Reifenhändler uns wenigstens einen Ersatzreifen verkaufte, sodass wir unseren Reservereifen nicht antasten mussten. 

Die beiden freundlichen Techniker von AA verabschiedeten sich freundlich und wir waren guter Hoffnung, das Problem sei nun gelöst und wir könnten unsere Reise fortsetzen. 

Sofort merkte aber Wilfried, dass das Geräusch, das er schon eine Weile beim Fahren gehört hatte noch immer da war. Somit hatten wir zwar ein Problem gelöst, aber die Ursache nicht beheben können. 

Nach 2 km auf der Autobahn dann das totale „AUS“. Gerade noch zur Parkbucht geschafft. Wieder ÖAMTC anrufen. Wieder warten. 

Das Radlager scheint komplett zerstört zu sein

Knapp vor Einbruch der Dunkelheit kam dann der nächste AA Mitarbeiter gleich mit einem Abschleppwagen angebraust. Neuerliche Demontage der Reifen und festgestellt, Lager kaputt. Weiterfahren unmöglich. 

Big Fredi war einfach zu schwer

Wir erleichterten Fredi um seine kostbaren Wasservorräte, räumten alle schweren Sachen aus dem Auto, aber der Abschleppwagen hatte für so einen fetten Fredi keine Kraft. So wurde für den nächsten Morgen ein größerer Abschleppwagen bestellt. Alles immer mit ÖAMTC in Wien ausverhandelt.

warten im Regen

Heute früh, wie vereinbart, tauchte der vermeintlich größere Wagen dann auf, der uns nur mehr zu der nächsten Werkstätte schleppen sollte.
Er unterschied sich vom Äußeren nicht von dem von gestern. Allerdings hatte er schließlich genug Power und auch eine bessere Hebevorrichtung, Big Fredi durfte selbst mit einem Auto mitfahren. Ich glaube es hat ihm ziemlich viel Vergnügen bereitet. In den engen Kreisverkehren hat er sich ziemlich in die Kurve gelegt und ist vor lauter Freude mitgetanzt. Lisbeth konnte im Rückspiegel seine Augen leuchten sehen. Ihr selbst wurde ganz schwindelig, aber der Fahrer meinte nur: „der ist fest angebunden!“

Nach dem Traum von Lisbeth, bei dem Fredi umkippte, war die Wirklichkeit nun schon fein.

Wir sind wohlbehalten bei der Werkstätte angekommen. Dahinter gibt es eine „Wiesn“ und am Montag wird Fredi hoffentlich wieder hergestellt. 

Big Fredi wird auf der Wiese hinter der Werkstätte abgeladen

Es hat heute seit dem Morgen geregnet, jetzt ist der Regen dem Sturm gewichen und ab morgen soll es wieder sonnig sein. 

Tatsächlich kommt wieder die Sonne

Wir haben genug zu Essen gebunkert, Strom bekommen wir von der Werkstatt und dann schauen wir weiter, was passiert. 

Jedenfalls sind wir jetzt von Winchester nach Southampton geschleppt worden und stehen am Eingang zum „New Forst National Park“. Zwischen Plaitford und Nomansland. Ja, das heißt wirklich so und es verspricht ein ruhiges Wochenende zu werden. 

Abschied von Oxford

Ein sonniger Herbsttag geht zu Ende und wir haben ihn sehr genossen.

Eine spätsommerliche Fahrt nach Winchester nachdem gestern Michele gemalt wurde und wir ein köstliches 3 gängiges Nachtmahl genießen durften. Das geschichtsträchtige Haus – 250 Jahre hat es auf dem Buckel und kann viele Geschichten erzählen – so wie der köstliche Rotwein sorgten bei von Tony (Michele’s Mann) kreiertem tollen Menü nach der Porträtsitzung für ausgezeichnete Stimmung. 

im Atelier von Michelle, im Vordergrund eines ihrer letzten Arbeiten zum Thema „Flüchtlinge“

Wir hätten die ganze Nacht weiter reden können. Es gab so viel zu erzählen und von Michele und Tony zu hören. 

Im Atelier von Michelle war gut arbeiten
Interessante Gespräche halfen dem Portrait sich zu entwickeln

Wilfried ist mit dem Ergebnis des Porträts von Michele recht zufrieden, er nähert sich immer mehr seinen Vorstellungen, was ein life Porträt können sollte: es soll die Essenz eines Menschen darstellen. 

als es dunkel wurde waren wir auch bald fertig

Wir hoffen auch bei Sohn Daniel, der in Spanien lebt Kontakt zu bekommen und dort Porträts sammeln zu können. Vorgewarnt ist Daniel jedenfalls und wir haben somit ein Ziel, das wir aufsuchen können zwischen Granada und Málaga. 

Wir durften vor dem Haus der beiden in Islip stehen und unsere Wassertanks auffüllen. 

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von den lieben Menschen, hoffen aber, dass wir uns in Spanien, Frankreich oder Österreich wieder sehen.  

Beim Aussteigen aus Big Fredi in Winchester machten wir eine schreckliche Entdeckung: der rechte Hinterreifen rauchte und das komplette Rad war schrecklich heiß, was einen Gestank nach verbranntem Gummi verbreitete. Jetzt kühlt Big Fredi sein heißes Bein und wir müssen morgen beobachten, wie es weitergeht. Auf der Autobahn sind wir einmal unabsichtlich in ein riesiges Loch gefahren, es tat einem in der Seele weh. Immer wieder sind auf den englischen Autobahnen völlig unvermittelt riesige Löcher, die man gar nicht rechtzeitig sieht um ihnen ausweichen zu können. Der Krach geht einem durch Mark und Bein. Und unserem alten Gesellen tun solche Streiche gar nicht gut. Da kann schon einmal eine Bremse kaputt gehen oder ein Lager seinen Geist aufgeben. 

Wir hoffen, dass es keine teure Reparatur braucht um Fredi heil nach Hause zu bringen. 

Mehr von Oxford

Der Platz am Ende der Sackgasse war toll. Kein Laut zu hören. Nur die verschiedenen Vogelstimmen waren zu vernehmen. 

Wilfried fotografierte die morgentliche Nebelstimmung an der Themse und das Bild erinnerte ihn dabei an den Hitchcock Film „Die Vögel“. 

Danach unser Frühstück. 

Und dann plötzlich – wie aus dem Nichts – ein lautes Getrampel und um Big Fredi herum versammelte sich eine komplette Rinderherde. Einige der Kühe gelangten an die Themse, wo sie trinken konnten. Die anderen drängten sich auf engstem Raum dicht aneinander. Die Exkremente schossen auf den Boden und auf das nebenstehende Tier. Es war ein Muhen und ein Sch…., das möchte man nicht außerhalb des Autos inmitten der Herde erleben. 

Also irgendwie ein Safari Erlebnis. 

Schau dir das im Film an!

Der Boden am Parkplatz glich danach einer Riesentoilette. Nach einigen Minuten und gegenseitigem Anstarren zog die Herde geschlossen wieder ab und wir konnten getrost weiter frühstücken. Der Bauer kam ein paar Minuten später mit seinem Squad angeschossen, drehte eine Runde am Platz und fuhr wieder davon. Anscheinend wollte er sich überzeugen, dass keines seiner Tiere an Big Fredi einen Narren gefressen hatte und bei uns geblieben war. 

Einige Spaziergänge vom Parkplatz aus in verschiedene Richtungen waren dazu angetan Schlehen zu pflücken. Jetzt gibt es ein Kilo Schlehen im Tiefkühlfach. Sie werden demnächst in Schlehenlikör zum Ansatz gebracht. Gin ist bereits eingekauft worden. Ich freue mich auf das besondere Tröpferl. Wenn es angesetzt ist, muss es 45 Tage stehen und soll einmal am Tag geschüttelt werden. Das dürfte im Big Fredi nicht allzu schwer werden. 

Am Montag malte Wilfried Karima. Sie ist eine ganz liebe und interessante Person. Ihr Engagement für bedürftige Menschen, ob Immigranten oder Legastheniker hat sie ihr ganzes Leben ebenso begleitet wie ihr künstlerisches Schaffen und ihre Neugierde Neues zu lernen. 

Sie erschien extra für ihr Porträt mit blauem Haar, blauem Lidschatten und blau-türkisen Ohrringen und einer ebenso geschmackvollen Halskette. Es war ein kurzweiliger Nachmittag und Karima war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Mitte der Porträtsitzung kam Steve, Karimas Mann von der Arbeit heim. Er ist Leiter der Gärtner des Oxford Colleges. Vor einigen Jahren wurde auch er life porträtiert von Sullivan. Es war ein „Artist in Residence“ Projekt, das sich über 18 Monate erstreckte und bei dem die Handwerker – von den Köchen bis zu den Gärtnern mit ihren Gebrauchsgegenständen als Gruppe lässig aufgestellt oder hingesetzt wurden. Ein großartiges Werk. Steve zeigte uns ein Foto davon. Das Original hängt im College, wo er es immer wieder betrachten kann.

Für eine weitere Nacht kehrten wir an unseren Waldplatz an der Themse zurück um am nächsten Morgen einzukaufen und den Diamond Campingplatz für eine Stromauffrischung und ein gutes Internet aufzusuchen. 

Heute, 3. Oktober: Micheles Portrait in Islip, einem Vorort von Oxford, könnte vorerst das letzte in England sein. 

Wer noch portraitiert werden möchte, bitte melde dich so rasch wie möglich bei uns!